Uralte Linde von St. Odile
Uralte Linde von St. Odile

Die größte Erfinderin

 

Beobachte ich einen Baum, sehe ich, dass er einen Stamm hat, von dem sich die Äste in alle Richtungen strecken, und er stets in perfekter Balance steht. Und die Äste sind schwer! Bläst Wind, so "balanciert" er die Kräfte, jedes Blatt wirkt wie ein loses Segel, in das der Wind hineinfährt. Holz hat Festigkeit und ist bis zu einem gewissen Grad zugleich biegeelastisch. Bis ein Ast abbricht, oder gar ein Baum umfällt, müssen immense Kräfte angreifen, und der Stamm oder die Äste morsch sein. Wir Menschen denken, Betonsäulen wären ein Garant für Stabilität - die Natur zeigt uns, dass eine biegeelastische Konstruktion um eine Mittelsäule sehr viel stabiler unterschiedliche Kräfte balancieren kann. Wir bauen unsere Häuser mit 4 Mauern und einem Dach, die spätestens nach ca. 20-30 Jahren sehr reparaturbedürftig sind - die Natur zeigt uns, dass eine Stamm-Astkonstruktion über Jahrhunderte ohne Reparaturmaßnahmen stehen kann! Linden werden über die Jahrhunderte ihres Wachsens innen hohl - dadurch erhält der Baum eine noch höhere Standfestigkeit, denn ein Rohr steht stabiler, als ein gefüllter Zylinder. Welch Intelligenz doch hier wirkt!

 

Bäume sind die perfekte "Klimaanlage", denn einerseits sorgen sie permanent für einen Luftaustausch, andererseits absorbieren sie Schadstoffe aus der Luft. Nicht nur der Mensch, sondern alle Wesen können gut atmen, wenn viele Bäume in ihrer Nähe sind, und die Erde nicht mit einer Betondecke verschlossen ist. In ihrem Geäst finden Vögel, Eichhörnchen, Insekten und anderes Getier eine Wohnstatt. Es finden ständige Austauschprozesse statt, die das Leben - den Atem - in Bewegung halten. Im Sommer sind Bäume Schattenspender und halten die Erde kühl, im Winter, wenn sie entlaubt sind, kann die Sonne die Erde wärmen. Bewaldete Böden können ca. 7-mal so viel Wasser speichern als Böden ohne Bäume, so dass die Aufforstung von Wäldern ein natürlicher Hochwasserschutz wäre.

 

Wie harmonisch doch in der Natur Nützen und Schützen in Schönheit zusammenwirken.

 

Jeder Grashalm ist ein unverwüstliches Kunstwerk. Er besteht aus haarfeinen Fasern, die ihm eine erstaunliche Festigkeit geben. Geht man darauf, fühlt sich Gras unter den Füßen wie Gehen auf sanften Kissen an. Legt man sich ins Gras, ist das platt gelegene Areal nach wenigen Tagen wieder aufgerichtet - von selbst. Möchte man eine Grasnarbe ausreißen, so stellt man fest, dass dafür einiges an Kraft erforderlich ist, so fest ist sie angewurzelt. Es sät sich überall aus, und taucht daher an jedem Ort der Erde auf, sobald Wasser fällt.

 

Samen selbst sind unglaubliche Wunderwerke! Sie tragen die gesamte Entwicklung ihrer Vorfahren in sich, werden von Vögel, Wind, Insekten, Menschen, Tieren über weite Strecken verteilt, und erblühen, sobald sie geeignete Bedingungen wie genügend Wasser, Sonne und einen geeigneten Boden für ihr Aufbrechen vorfinden. Sie sind wahre Meister - und ohne diesen Kreislauf wäre Leben auf der Erde nicht vorhanden.

 

Dies  sind nur ein paar ganz winzig kleine Beobachtungen des Wunderwerks und des Wunderwirkens der unglaublich vielfältigen Natur.

 

Wie wäre es, in Zukunft von ihr zu lernen, und intensiv darüber nachzudenken, wie wir ein empathisches Miteinander zwischen Erdwesen und Menschenwesen gestalten könnten, das weder der Erde noch anderen Lebewesen Leiden zufügt?